Abonnement statt Preis per Wort. Ist dieses Preismodell die Zukunft in der Übersetzungsbranche?

Authors

Tim Branton

Tim Branton

PureFluent CEO

Ian Gilchrist

Ian Gilchrist

PureFluent Roving Reporter

Share this

Tweet Share Share

More content

  • How to translate page titles and meta descriptions

    Read now
  • Top Tips: How to translate your Customer Portal

    Read now
  • Top-Tipps, um bessere maschinelle Übersetzungen zu erreichen

    Read now
  • Top-Tipps: So nutzen Sie Ihr gekürztes Übersetzungsbudget optimal

    Read now
  • Ist mehrsprachiger Video-Content gut für SEO?

    Read now
  • PureFluent introduces the first Translation Subscription Service - WordStore

    Read now
  • Wie kann ich als Kunde die Übersetzungsqualität beurteilen?

    Read now
  • Pentland Brands talk about their drive to provide shoppers with a great experience on Amazon

    Read now
  • Bringen Übersetzungen Vorteile im E-Commerce, auch wenn die Kunden Englisch verstehen?

    Read now
  • Reicht Englisch für meine Kunden aus?

    Read now

November 22, 2019

In Anlehnung an den interessanten CSA Bericht über Preismodelle möchten wir uns im heutigen Post ebenfalls mit diesem Thema auseinandersetzen. Was sind die Vorteile, wenn Kunden einen monatlichen Festpreis zahlen, statt einzelne Projekte nach Wortpreis abzurechnen? Eine Art Jahres-Abonnement, das beliebig verbraucht werden kann.

Ian:Fangen wir am besten mit ein paar Grundlagen an. Was bedeutet Abonnement für Übersetzungen genau und wie unterscheidet es sich von bisherigen Preismodellen?

Tim:Wer alt genug ist, erinnert sich noch daran, als Telefonate nach Minuten oder Sekunden abgerechnet wurden. Hinzu kam die monatliche Gebühr für den Telefonanschluss. Und mehr als einmal gab es nach dem Erhalt der Telefonrechnung Standpauken, weil wieder zu lange mit Freunden telefoniert wurde. Heutzutage funktioniert es anders. Wir zahlen eine Flatrate pro Monat und müssen uns dann nicht mehr mit den Kosten für einzelne Telefonate, Nachrichten oder Downloads befassen, zumindest bis zu festgelegten Limits. So funktionieren Abonnements.

In der Übersetzungsbranche hingegen wird weiterhin nach Wörtern, Seiten oder Zeilen abgerechnet, was vergleichbar mit den Minuten oder Sekunden für Telefonate ist. Das ist nicht nur für Kunden umständlich, sondern auch für die Agenturen selbst. Die Abrechnung nach Wort oder Zeile macht den gesamten Übersetzungsablauf langsamer und aufwendiger.

Wenn beispielsweise die neue Website übersetzt werden soll, muss vielleicht erst einmal ein Angebot oder sogar mehrere eingeholt werden. Die kontaktierten Agenturen müssen die Texte dann analysieren, um Einsparungen durch interne Wiederholungen herauszufinden und ein entsprechendes Angebot abzugeben. Am Ende erhält dann nur eine Agentur den Zuschlag. Möglicherweise soll zudem noch eine Probeübersetzung gemacht werden, was weitere Kosten für die Agentur bedeutet.

Die meisten Kunden brauchen kontinuierlich Übersetzungen und auch wenn das Volumen über das Jahr hinweg sicher variiert, so wäre es doch praktisch, ein bestimmtes Kontingent zur Verfügung zu haben und sich keine weiteren Gedanken machen zu müssen.

Wenn ein Kunde für jede Übersetzung bestimmte Prozesse zur Beauftragung und Zahlung durchlaufen muss, so ist dies zeitaufwendige Bürokratie. Die meisten Kunden brauchen kontinuierlich Übersetzungen. Das Volumen variiert dabei meist über das Jahr verteilt, aber das Praktischste wäre, ein Kontingent für Übersetzungen zur Verfügung zu haben und sich keine weiteren Gedanken machen zu müssen. In diesem Sinne scheint es noch unsinniger, weiterhin nur nach Wort, Zeile oder Zeichen abrechnen zu wollen.

Ian:Sollten Übersetzungen also anders abgerechnet werden? Ist ein solcher Wandel absehbar? So eine Art Festpreis für eine unbegrenzte Anzahl an Übersetzungen?

Tim:Ich habe vorhin die Abrechnung von Übersetzungen nach Wörtern mit den früheren Telefonkosten pro Minute verglichen. Bisher hat dieser Vergleich auch funktioniert. Der Unterschied ist, dass durch die zusätzliche Minute keine Extrakosten für die Telefongesellschaft entstehen. Bei Übersetzungen ist dies natürlich anders, da sich immer jemand um die Übersetzung dieser Wörter kümmern muss und dadurch Kosten entstehen.

Ein anderes Beispiel wäre das Netflix-Abo. Man zahlt €8,99 pro Monat und nutzt es manchmal mehr, manchmal weniger. Insgesamt lohnt es sich aber dennoch, diesen festen Betrag pro Monat zu zahlen. Für Netflix macht es keinen oder kaum einen Unterschied, ob das Abo wenig oder viel genutzt wird. Die Übersetzung von weiteren 1000 Wörtern hingegen kostet einen halben Tag Übersetzungsarbeit.

Trotzdem kann die gesamte Abwicklung vereinfacht werden, was sowohl dem Kunden als auch der Agentur zugute kommt. Die Schwierigkeit liegt darin, eine gute Balance zwischen einfacher Abwicklung und tatsächlichen Kosten zu finden. Jedes übersetzte Wort kostet, nur mit Maschineller Übersetzung kann man näher an die 0 Zusatzkosten kommen.

Die Schwierigkeit liegt darin, eine gute Balance zwischen möglichst einfacher Abwicklung und den tatsächlichen Kosten zu finden.

Und ein Abonnement, das auf das zu erwartende Übersetzungsvolumen in den nächsten 12 Monaten zugeschnitten ist, könnte die Lösung sein. Der Unterschied ist, dass der Kunde nicht mehr pro Projekt bezahlt, sondern einen festen Betrag pro Monat. Und bei guter Planung deckt dieser Betrag das Jahresvolumen recht genau ab. Dieses Modell hat einige Vorteile für den Kunden, da er nun einen Festbetrag pro Monat einkalkulieren kann, der anhand des Übersetzungsvolumens pro Jahr errechnet wird. Die Agentur hat hingegen den Vorteil kontinuierlicher und planbarer Einnahmen.

Auf der anderen Seite kann es Auswirkungen auf den Cashflow der Agentur haben, wenn der Kunde sehr saisonale Anforderungen hat und einen Großteil der Übersetzungen am Anfang der 12 Monate benötigt. Sofern die Saisonalität nicht zu extrem ist, überwiegt aber immer noch der Vorteil der Vereinfachung von Abläufen und Verwaltung.

Ian:Die Agentur kann dadurch sicher auch besser planen, welche Ressourcen auf längere Sicht benötigt werden und muss nicht in Hektik neue Übersetzer finden und testen.

Tim:Ganz genau, das ist eine der größten Herausforderungen in unserer Branche. Aber abgesehen davon ist es für den Kunden wirklich von Vorteil, zum Beispiel EUR 5.000 pro Monat für x Wörter pro Jahr auszugeben und sich dann für den Zeitraum des Abos um nichts weiteres kümmern zu müssen. Übersetzung ist dann einfach eine Art Betriebsmittel, das bei Bedarf beliebig genutzt werden kann. In unserem Kundenportal sieht der Kunde, ob er mehr oder weniger als erwartet vom Kontingent pro Monat verbraucht. Aber im Grunde ist es erst einmal egal, da er einen Festbetrag bezahlt.

Muss man hingegen zwanzig Angebote pro Monat einholen, zwanzig Bestellungen auslösen und zwanzig Rechnungen zahlen, dann ist das umständlich und zeitaufwendig. Kunden fühlen sich allgemein mit dem Gedanken wohl, ein Jahr lang einen Festbetrag pro Monat zu zahlen, damit alle Übersetzungsanforderungen abzudecken und gleichzeitig immer sehen zu können, wieviel verbraucht wurde.

Ian:Ist es schwieriger Kunden von diesem neuen Konzept zu überzeugen, da sich dieses Abo-Modell doch erheblich vom herkömmlichen „Preis pro Wort“ unterscheidet?

Tim:Nein, das denke ich nicht. Wir haben bereits zwei Kunden, die zum Abo-Model gewechselt haben. Kunden sind sogar sehr offen für diese Idee, da sie einfach den gesamten Beauftragungs- und Verwaltungsaufwand leid sind. Zwanzig Angebote pro Monat einzuholen, zwanzig Bestellungen auszulösen und zwanzig Rechnungen zu zahlen, ist umständlich und zeitaufwendig. Kunden fühlen sich allgemein mit dem Gedanken wohl, ein Jahr lang einen Festbetrag pro Monat zu zahlen, damit alle Übersetzungsanforderungen abzudecken und gleichzeitig immer sehen zu können, wieviel verbraucht wurde.

Ich denke, die Übersetzungsindustrie denkt in diesem Sinne noch in alten, festgefahrenen Mustern und das sollte sich endlich ändern.

Ian:Was passiert, wenn ein Kunde ein Abo für ein bestimmtes Volumen abschließt und dann feststellt, dass viel weniger Übersetzungen benötigt werden als zunächst gedacht?

Tim:Dazu möchte ich ein paar Anmerkungen machen. Wenn bisher zum Beispiel 500.000 Wörter pro Jahr übersetzt wurden, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass im folgenden Jahr mindestens dasselbe Volumen benötigt wird. Eine Firma hört einfach nicht von einem Tag zum anderen auf, ihren Content in eine bestimmte Sprache zu übersetzen. Normalerweise kommt irgendwann eine weitere Sprache hinzu. Wenn ein Produkt oder Service in einem Markt erfolgreich ist, dann kann dieses Produkt oder der Service auch für andere Märkte interessant sein. Das ist jetzt natürlich sehr vereinfacht ausgedrückt, aber generell stimmt es schon. Tendenziell wird eher mehr übersetzt als weniger.

Ein kleines Restrisiko besteht sowohl für den Kunden als auch für die Agentur beim Abo-Modell. Um auf die Frage zurückzukommen: Wenn viel weniger genutzt als gezahlt wurde, dann erhält der Kunde natürlich Geld zurück. Und wenn mehr gebraucht wird als veranschlagt wurde, kann man das Abo einfach erweitern. Im Endeffekt führt es in jedem Fall zu einer enormen Vereinfachung der Abwicklung von Übersetzungen.

Seit wir diesen Blog-Beitrag veröffentlicht haben, haben wir unseren eigenen Übersetzungsabonnementservice, WordStore, gestartet. Erfahren Sie mehr über unser Abonnementangebot oder registrieren Sie Ihr Interesse an einem Wordstore-Abonnement.

About the authors

Tim Branton Tim Branton

Tim Branton is PureFluent's CEO and a passionate advocate for the role of technology in the language industry. He has 30 years of business experience across the chemicals, telecoms, business services and software sectors in the UK, Singapore, Japan, China and South Africa.


See all posts by Tim Branton
Ian Gilchrist Ian Gilchrist

Ian has worked in music and home entertainment product development, marketing, and journalism in the U.S., Canada and the UK, where he currently lives, for over 30 years.

In that time he's has aided and abetted an eclectic array of artists including Alison Krauss, Talking Heads, Madeleine Peyroux and Slade, and has worked for a diverse range of labels and companies including Universal Music (Canada), Pioneer LDC (Europe), Milan Records (France), the British Film Institute (BFI), Rounder Records Group (Canada) and BMG (UK). In his guise as a film journalist Ian's interviewed many renowned and influential people, including director John Carpenter (Halloween), actors Jesse Eisenberg (The Social Network) and Tom Hardy (Venom), director Roman Polanski (Chinatown), and many more.


See all posts by Ian Gilchrist

Share this

Tweet Share Share